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Einsätze

Täglich rücken Feuerwehren im Landkreis Osnabrück aus, um bei Bränden, Verkehrsunfällen oder anderen Unglücken schnell und qualifiziert Hilfe zu leisten.

Annähernd 4.000 Einsätze werden in jedem Jahr von den ausschließlich ehrenamtlich tätigen Feuerwehrmitgliedern bewältigt.

Hier finden Sie Berichte über Einsätze der Feuerwehren

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Aktuelles


Übungsszenario mitten in der Nacht - 300 Einsatzkräfte proben den Ernstfall
PKW prallt vor einen Zug - Verletzte müssen zum Teil aufwendig versorgt und transportiert werden “


BRAMSCHE

Ein Horrorszenario, wie man es sich nicht anders vorstellen kann. Ein Zug prallt bei voller Geschwindigkeit auf der Bahnstrecke zwischen Bramsche und Achmer mit einem PKW zusammen. Fahrgäste im Zug werden eingeklemmt, haben Verletzungen, einige atmen nicht mehr. Im PKW dasselbe Bild. Völlig demoliert steht das Fahrzeug auf den Gleisen. Hilferufe hallen über die dunklen Maisfelder.

 
 

Einige Minuten später, nachdem eine Person die Rettungskräfte über Notruf vom Unglück an der Westerkappelner Straße informiert hatte, zuckten bereits die ersten Blaulichter durch die Nacht. Die Ortsfeuerwehren Achmer und Bramsche sind als erste vor Ort und verschaffen sich eine Übersicht über die Situation. Probleme bereitet der etwa vier Meter hohe Damm, auf dem das Gleisbett liegt. Hier müssen alle Rettungskräfte zur Erstversorgung hoch.

Mit Hilfe der Drehleiter wird versucht, die Flutlichtscheinwerfer so zu positionieren, dass die Rettungskräfte das ganze Ausmaß des Unglücks erkennen können. Feuerwehrmänner aus Achmer versuchen in den verunfallten PKW zu gelangen und dort bei den Patienten eine Erstversorgung vorzunehmen. Hierzu müssen die Helfer durch die Heckscheibe, welche vorher entfernt wurde, in den verunfallten PKW vordringen. Unterdessen wird weiteres schweres Gerät den Damm heraufgebracht.

 
 

Im Zug, welcher unbeleuchtet auf der Bahnstrecke steht, sind die Schreie verstummt. Bramscher Einsatzkräfte versuchen mit einigen Kameradinnen und Kameraden aus Achmer in den "demolierten" Zug zu gelangen. Türen des Zuges notentriegeln und in den Innenraum hinein. Hier bietet sich den Einsatzkräften teils ein schauriges Bild: Personen mit Platzwunden, gebrochenen Knochen oder Herz-Kreislaufstillständen. Alles Kunstblut und ein paar Tricks, mit denen die realistische Unfalldarstellung den "Patienten" wirklich echtaussehende Verletzungen geschminkt hatte.

Der zuständige Notarzt und sein Team aus organisatorischen Leiter Rettungsdienst, Rettungsassistenten und Sanitätern fängt im Innenraum mit der Schadenbeurteilung an und verteilt Farben: rot für kritisch bedrohte Patienten, welche sofort Hilfe brauchen bis hin zu grünen Karten. Diese Patientengruppe braucht keine dringende Behandlung und kann sogar noch den Zug aus eigenen Kräften verlassen. Erste medizinische Maßnahmen können ergriffen werden.

Spätestens hier haben die Feuerwehrkräfte keinerlei Möglichkeiten, alle Patienten zusammen mit dem Rettungsdienst zu versorgen. Mehr Hilfe muss her. Über die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle am Schölerberg werden alle TE-Bahn aus dem Landkreis Osnabrück nach Bramsche alarmiert. Aus allen Himmelsrichtungen durchdringt Blaulicht und Einsatzhorn die Bramscher Nacht. Bereitstellungsraum ist ein großer Parkplatz eines Verbrauchermarktes in Bramsche. Von hier werden die einzelnen Einheiten abgerufen und per Lotse an die befohlene Stelle geführt.

 
 

In der Straße "Am Sandhügel" fangen die Einheiten an, Mannschaft und technisches Gerät auszuladen. Die Gerätschaften werden auf Loren gepackt, welche auf die Schienen gesetzt werden und von den Einsatzkräften an die Unglücksstelle geschoben werden müssen. Auch hier stoßen die Einsatzkräfte auf Probleme: die komplette Strecke ist dunkel. So müssen einige Einheiten erst die Strecke ausleuchten, während parallel die Rettungsmaßnahmen weiterlaufen. 840m sind es vom sogenannten Eingleispunkt "Am Sandhügel" bis zur Unglücksstelle am "Storchenweg". Allein die Strecke ist eine große Belastung für die Einsatzkräfte, welche mit den gepackten Loren unterwegs sind. Notstromaggregate, Flutlichtstrahler, Stative, Kabeltrommeln: hier kommen schnell mehrere hundert Kilogramm Gewicht auf die Loren, welche bewegt werden müssen.

Unterdessen hat der Rettungsdienst Kenntnis erhalten, dass eine Person flüchtig ist. So müssen weitere Einsatzkräfte die nähere Umgebung absuchen. Die Person kann nur noch tot aufgefunden werden.



 
 

Die Patienten, welche nicht gehen können oder in einem kritischen Zustand sind, werden bereits mit Hilfe der Loren zum Eingleispunkt gebracht. Dort übernimmt sie weiteres Rettungsdienstpersonal und fährt mit ihnen zum Behandlungsplatz nahe des Bereitstellungsraums. Die Zelte sind medizinisch ausgestattet, so dass die lebenswichtigen Funktionen aufrecht erhalten werden können. Nach der Stabilisierung bringt man die Patienten in die umliegenden Krankenhäuser.

Am Feuerwehrhaus in Bramsche hat sich abseits vom ganze Trubel die Feuerwehr Bippen mit der Feldküche aufgebaut, um die knapp 300 Einsatzkräfte mit Frühstück zu versorgen. Am mittlerweile Samstagmorgen wird es Brötchen und guten Kaffee geben.

Was so dramatisch begonnen hatte, hat eine lange Vorplanung hinter sich. Einheitsführer der technischen Einheit "Bahn" (TE Bahn) Jörg Hagemann hat zusammen mit Markus Leske die Großübung für den Freitag vorbereitet. Hierin sind einige Stunden harte Arbeit und Schweiß gegangen, werden die beiden später berichten. Hierzu zählte nicht nur die Koordination zwischen Bahn, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Technischen Hilfswerk oder auch der Polizei.

Auch Verpflegung will organisiert und bereitgestellt werden. Das zeigen die Einsatzkräfte auch, als alle müde, erschöpft aber zufrieden am Feuerwehrhaus Bramsche eintreffen. Denn jetzt gibt es erst mal Frühstück: mit Brötchen und Kaffee. Gegen fünf Uhr morgens verlassen die letzten das Feuerwehrhaus in Bramsche und in den Bramscher Straßen kehrte endlich Ruhe ein.

Weitere Berichte:
Video bei OS1.TV
Bericht bei "Hallo Niedersachsen" beim NDR
Fotos und Videos bei NordWestMedia.Tv

Text: Marc Piwinski
Fotos: Michael Vullbrock / Marc Piwinski