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Einsätze

Täglich rücken Feuerwehren im Landkreis Osnabrück aus, um bei Bränden, Verkehrsunfällen oder anderen Unglücken schnell und qualifiziert Hilfe zu leisten.

Annähernd 4.000 Einsätze werden in jedem Jahr von den ausschließlich ehrenamtlich tätigen Feuerwehrmitgliedern bewältigt.

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Aktuelles

Erstes digitales Fortbildungsseminar für Juleica-Inhaber
Kreisjugendfeuerwehr setzt auf digitale Medien


OSNABRÜCK/BRAMSCHE

Jugendfeuerwehr auch zu Corona-Zeiten, geht das überhaupt? Mit dieser Frage beschäftigten sich Anfang des Jahres Kreisjugendfeuerwehrwart Christoph Pieper und sein Stellvertreter Alexander Weniger. Die klare Antwort lautet: Ja! Seit dem ersten Lockdown im März 2020 ruht vielerorts der Dienstbetrieb in den Kinder- und Jugendfeuerwehren. Präsenzveranstaltungen sind ausgenommen der Sommermonate seither nicht mehr möglich.

 
 

Planspiel: Löschangriff mit Playmobil

Mit etwas Know-how und der passenden Technik können dennoch kurzweilige Dienste als Videokonferenzen durchgeführt werden. Am 05. und 06. Februar fand im Landkreis Osnabrück ein achtstündiges digitales Fortbildungsseminar für die Juleica-Inhaber der zwei Kinder- und 31 Jugendfeuerwehren statt. Die Jugendleiter-Card ist ein amtlicher Qualifikationsnachweis für Jugendwarte und Betreuer in den Kinder- und Jugendfeuerwehren und muss alle drei Jahre aufgefrischt werden.

 
 

Kreisjugendfeuerwehrwart Christoph Pieper bei der Begrüßung

"Mit unserem Angebot wollen wir einerseits bewirken, dass zum Ende der Pandemie kein Stau an Fortbildungen entsteht. Viel wichtiger ist allerdings, auch in diesen Zeiten ein Zeichen zu setzen und für die Kinder und Jugendlichen weiterhin da zu sein und einen attraktiven Dienst zu gestalten", so Pieper. Sein Stellvertreter fügt hinzu: "Wichtig ist, dass überhaupt etwas gemacht wird. Auch wenn wir momentan beispielsweise keinen echten Löschangriff aufbauen können, gibt es vielfältige Methoden, Wissen auch Online zu vermitteln."

 
 

Inhalt des Teilnehmerpäckchens

So entstand die Idee, den Schwerpunkt des Seminars dem Thema Online-Dienstgestaltung zu widmen. Aber auch die Themen Hygienekonzepte und Kindeswohlgefährdung sollten nicht zu kurz kommen. Für letzteres konnte Bernd Dahle, Referent bei der Niedersächsischen Jugendfeuerwehr, gewonnen werden.

 
 

Blick hinter die Kulissen

Erfreulicherweise hatte die NJF Ende des letzten Jahres die einmalige Gelegenheit, das Projekt "1 Kiste - 100 Ideen" ins Leben zu rufen. Jede Kreisjugendfeuerwehr kann dabei eine solche Kiste mit Hardware und Materialien zur Online-Dienstgestaltung nach sechsstündiger Schulung bekommen. Neben technischen Geräten, wie Webcam, Headset, Mikrofon und Scheinwerfer befinden sich zum Beispiel auch feuerwehrspezifische Playmobil-Sets für Planspiele und weitere hilfreiche Utensilien in der Kiste. Finanziert wird die Kiste durch Bildungsmittel, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht ausgegeben werden konnten. Der Inhalt der Kiste wurde fast vollständig während des Seminars benutzt.

 
 

Beim Präsentieren können sogar Textmarker und Laserpointer verwendet werden

Um das Seminar möglichst abwechslungsreich zu gestalten, wurde allen 25 Teilnehmern im Vorfeld ein Päckchen mit Schreibsachen, Unterrichtsmaterialien und Verpflegung zugeschickt - finanziert durch Bildungsmittel des Landes Niedersachsen. Als Plattform für die Videokonferenz wurde das Programm Microsoft Teams gewählt. Microsoft stellt hierfür in Deutschland Zugänge für gemeinnützige Institutionen unentgeltlich zur Verfügung. Um die gesamte zur Verfügung stehende Technik aufzubauen und einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, wurde das Seminar vom Feuerwehrhaus Bramsche aus gestartet. Christoph Pieper und Alexander Weniger präsentierten hierbei abwechselnd sowohl vor der Kamera als auch direkt am Bildschirm.

 
 

Bernd Dahle referiert aus Hannover

Nach einer kurzen Begrüßung und aktuellen Themen aus der Kreisjugendfeuerwehr ging es am Freitagabend zunächst um eine Auffrischung der Grundlagen zur Juleica. Im Anschluss fand der erste Teil zum Thema Online-Dienstgestaltung statt. Zunächst wurden die rechtlichen Grundlagen und Voraussetzungen behandelt. Im Anschluss daran ging es um die Motivation der Teilnehmer sowie pädagogische Besonderheiten bei Online-Diensten. Immer wieder wurden verschiedene Online-Tools eingeschoben, bei denen die Teilnehmer aktiv mitwirken konnten. Begonnen mit einer Landkarte, auf der jeder einen Punkt setzen musste, wo er sich gerade befindet, konnten später alle Teilnehmer auf einem gemeinsamen Whiteboard an einer Umfrage teilnehmen. Sportlich wurde es bei einem Bewegungsspiel: Über die Präsentationsfunktion wurden verschiedene Gegenstände, welche in jedem Haushalt zu finden sind, eingeblendet. Auf Zeit mussten die Teilnehmer diese Gegenstände in ihrer Wohnung suchen und vor die Kamera halten. Wer zu langsam war, musste am Folgetag eine Gruppenarbeit vortragen.

Der Samstagmorgen startete mit der Kindeswohlgefährdung. Eine Thematik, welche aufgrund ihrer Wichtigkeit bei jedem Fortbildungsseminar behandelt wird. Neben dem Bildungsauftrag stehen Jugendgruppenleiter ebenso in der Pflicht, auch auf die privaten körperlichen, seelischen oder sozialen Aspekte der Jugendlichen zu achten und ggf. tätig zu werden.

 
 

Blick hinter die Kulissen

Im Anschluss daran ging es in den zweiten Teil der Online-Dienstgestaltung. Zunächst wurden mehrere Plattformen für Videokonferenzen vorgestellt und verglichen. Es stellte sich heraus, dass es unzählige Plattformen gibt, die für verschiedene Anwendungszwecke Vor- und Nachteile haben. Daraufhin wurden weitere Methoden und Tools vorgestellt und von den Teilnehmern ausprobiert. Neben einem Quiz mit feuerwehrtechnischen Fragen, welches auf Zeit gelöst werden musste, wurde beispielsweise auch ein Löschangriff mit Playmobil als Planspiel aufgebaut und durchgesprochen. Dabei erhielt jeder Teilnehmer eine bestimmte Funktion in der Löschgruppe und musste selber erklären, welche Aufgabe er wann zu erledigen hat. Zu guter Letzt mussten in Kleingruppen verschiedene Dienstthemen anhand einer Checkliste erarbeitet und im Anschluss vorgestellt werden.

Nach einer kurzen Pause am Vormittag ging es anschließend mit dem Thema Hygienekonzepte in Zeltlagern weiter. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Auffrischung der wichtigsten Themen im Hinblick auf die Zeit nach der Pandemie gelegt. Auch hier wurden in Kleingruppen Hygienepläne für bestimmte Bereiche, wie zum Beispiel die Essensausgabe und sanitäre Anlagen erarbeitet und vorgestellt.

 
 

Für den besseren Überblick können die Teilnehmer in einer "Kinobestuhlung" angezeigt werden, hier in einer Kleingruppe

Während der Abschlussrunde hatte jeder Teilnehmer die Möglichkeit, seine Meinung und neuen Erkenntnisse des Seminars zu schildern. Pieper betonte noch einmal, dass das Seminar von den beiden Referenten komplett in Eigenregie in den ersten Wochen dieses Jahrs ausgearbeitet und getestet wurde. Es gab also noch keine vergleichbaren Vorlagen, die von anderen Referenten übernommen werden konnten. Referent Bernd Dahle ergänzte: "Damit nimmt der Landkreis Osnabrück im Bezirk Weser-Ems eine Vorreiterrolle ein und ist in ganz Niedersachsen eine der ersten Kreisjugendfeuerwehren, die ein solches Angebot durchgeführt haben." Aus dem Teilnehmerkreis wurde deutlich, dass das Seminar auch trotz der langen Zeit vor dem Computerbildschirm aufgrund der vielen Medienwechsel sehr kurzweilig war. "Aus den Rückmeldungen der Teilnehmer geht hervor, dass wir mit dem Seminar viele Unsicherheiten im Umgang mit dieser innovativen Methodik aus dem Weg räumen konnten und hoffen, dass die Teilnehmer zukünftig in ihren Jugendfeuerwehren Online-Angebote anbieten", resümierte der Kreisjugendfeuerwehrwart.

Ein besonderer Dank geht an die Feuerwehr Bramsche für das zur Verfügung stellen der Räumlichkeiten sowie an Bernd Dahle, der bereits im Vorfeld intensiv bei der Vorbereitung des Seminars unterstützt hat. Aufgrund er vielen positiven Rückmeldungen wird bereits jetzt über eine zeitnahe weitere Auflage des Seminars um noch mehr Jugendwarte zu schulen nachgedacht.

Text und Foto: Christoph Pieper, Alexander Weniger